SOCIETÄTSTHEATER DRESDEN



Textiles Drama

'Textiles Drama'


Dresdener Neueste Nachrichten
12. Februar 2001

Szene aus dem
"Textilen Drama"
mit Katja Erfurth und
Thomas Hartmann
    Katja Erfurth - Thomas Hartmann
Foto: Frank Höhler


Im Fegefeuer der Eitelkeiten Katja Erfurth und Thomas Hartmann tanzen das ,,Textile Drama" im Societätstheater
Albrecht Riermeier am Schlagzeug

Es gibt 1001 Gründe dafür, beim Blick in den Spiegel zu erblassen und 1001 Geschichten darüber, was mit dem Verhältnis von Innerem und Außerlichem nicht stimmt. Märchenbücher und kunstwissenschaftliche Ikonographien sind bevölkert mit Figuren, deren privates Drama mit dem Kampf um Schönheit begann.
Ausgehend von Begriffen wie "Kaufiausch", "Dress-Code" oder "Frustkauf" haben die Tänzer Katja Erfurth und Thomas Hartrfiann ihr "Textiles Drama" in acht Bildern erarbeitet, das sich auf sehr lustvolle, ja man könnte fast sagen glamouröse Weise mit Verkleidungen und ihrer sozialen Funktion auseinandersetzt.

Katja Erfurth - Albrecht Riermeier

Gemeinsam mit dem Percussionisten Albrecht Riermeier, der auch schon beim "Narajama"-Projekt dabei war, haben sie ungewöhnliche Bilder zum zeitlosen Thema gefunden.
Motive der Kunst, die so alt sind wie "Der Tod und das Mädchen" oder ,,Der Tanz der sieben Schleier" nehmen sie als Ausgangs- und Angelpunkt für ihre Choreographien, die es einerseits schaffen, gängigen Schubladen zu entkommen und andererseits, das Thema neu pointieren. Unterstützt von den sehr gestischen, immer den Konflikt verdeutlichenden Klängen Riermeiers, gelingtes ihnen, ihre tänzerisch-formalen Mittel auf den komischen oder absurden Höhepunkt der Bilder hin zu konzentrieren. So entstehen Choreographien, in denen die Tänzer einerseits technische Höhe andeuten, sie andererseits fast ironisch zitieren, was die wunderbare Lässigkeit des Abends ausmacht. Es ist geradezu ein Vergnügen zwei Könnern dabei zuzusehen, wie sie mit ihren tänzerischen Möglichkeiten wirklich spielen, statt sie einfach nur auszuspielen. Es ist genau diese Verweigerung des Pathos, die den komischen Reiz des Abends ausmacht, ohne nur ansatzweise in Plattheit abzurutschen. Das andere große Pfund der Choreographien ist ihre Klarheit. Egal ob ausgefeilte Solonummern wie ,,Spieglein, Spieglein...', .Der Mantel' oder ganz kurze Glanzlichter wie "Wühltisch", immer liegen Ansatz,Verlauf und Pointe der tänzerischen Dramaturgie klar zu Tage - was bei modernem Tanz keinesfalls selbstverständlich ist und vom Publikum mit Szenenbeifall honoriert wird.
Zwei absolute Höhepunkte sind die"Krönung"- und "-Adam und Eva". Im ersten Fall wird mit sehr einfachen Mitteln ein Ritual auf die Schippe geladen. König Riermeier wird solange mit Insignien der Macht behängt, bis schließlich... Adam und Eva ist ein Stück Zivilisationsgeschichte rückwärts. SIE und ER stellen im Vorbeigehen Sympathiegefühle füreinander fest, es folgt das Übliche: ansehen, anmachen, ausziehen.

Katja Erfurth - Albrecht Riermeier

Der nun folgende Zivilisationsstrip ist ein Zuckerstück an Raflinesse und wie der gesamte Abend ein sicher gebuchtes Ticket ins Fegefeuer der Eitelkeiten.

Katharina Holler

Aufführungen fanden vom 23.-25. Februar 2001 im Societätstheater statt.



Dredner Neueste Nachrichten
"Der Weg zum Narayama"

... ganz bodenständig und sphärisch tonangebend der Percussionist Albrecht Riermeier. Da kommt ein Hauch asiatischen Klangs herüber, eine Ahnung fremder Kulturen.



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